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Millionen Menschen leiden unter Schmerzen
14.06.2000 • 0 Kommentare

Ein Phänomen geht um in Deutschland: Bundesweit leiden schätzungsweise etwa fünf bis acht Prozent der Menschen an
chronischen Schmerzen, rund 15 Prozent Frauen und sieben Prozent Männer an Migräne und an die 30 Prozent aller an Rückenschmerzen. Schmerzen im Rücken verursachen über 20 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage pro Jahr, errechneten Experten der Krankenkassen. Das Problem betrifft gleichermaßen Ost- wie Westdeutschland. Schon vor Jahren engagierten sich Schweriner Ärzte ganz gezielt für Schmerzbehandlungen.

Millionen von Menschen leiden unter periodisch auftretenden oder chronischen Kopfschmerzen. Vielfach werden als Grund für die erschreckenden Zustände fehlende systematische Ausbildung der Mediziner an den Universitäten in Schmerztherapie, der Mangel an schmerzlindernden medizinischen Einrichtungen an den großen Kliniken
sowie gesetzliche und regulative Hindernisse bei der Verordnung von hoch wirksamen Analgetika (schmerzstillenden Mitteln) genannt. Auch die «fertigen» Mediziner wissen sich bei chronischen Schmerzpatienten zuweilen kaum zu helfen und haben oft nicht einmal eine Übersicht, welcher ihrer Kollegen auf die Schmerzbehandlung spezialisiert ist,
dem sie ihre Patienten anvertrauen könnten. Die Folge ist, dass mancher Patient sein Heil in ständigem Arztwechsel sucht. Der Schweriner Facharzt für Allgemeinmedizin, Bernd Heine, der eine Schwerpunktpraxis für Schmerzbehandlung führt, berichtet davon, dass ihm bei einem Patienten ein neunzigmaliger Arztwechsel innerhalb kurzer Zeit zu Ohren gekommen sei.

Schlecht versorgte Schmerzkranke laufen aber nicht nur von einem Arzt zum anderen, sondern stehen zuweilen vor noch größeren Problemen. Auch Arzneimittelmissbrauch ist nicht auszuschließen. Jährlich werden in Deutschland 60 Millionen Packungen an Schmerz- und Migränemitteln ärztlich verordnet. Die Kosten für die gesetzlichen Krankenkassen belaufen sich auf 720 Millionen Mark, erklären die
Kassen. Einschließlich der «Selbstversorgung» gehen rund 200
Millionen Schachteln Schmerzmittel mit einer geschätzten Gesamtsumme von 1,4 Milliarden Mark über die Apotheken- oder die Tische anderer Geschäfte. Folgeschäden können bei chronischen Schmerzpatienten psychische und soziale Störungen oder depressive Reaktionen bis hin zu Selbstmordabsichten sein.

In Mecklenburg-Vorpommern haben sich jüngst der Verband der Angestellten-Krankenkassen (VDAK) und der
Arbeiter-Ersatzkassen-Verband (AEV) dieses Problemkreises angenommen. Gemeinsam gaben sie ein Faltblatt zur «Behandlung chronisch Schmerzkranker» heraus. Damit wollen die Verbände den Schmerzkranken und niedergelassenen Ärzten einen effektiven Ratgeber in die Hand geben. «Wir wollen erreichen, dass ein Schmerzpatient gezielter und
schneller als bisher eine qualifizierte Therapie erhält» sagt der Leiter der mecklenburg-vorpommerschen Landesvertretung beider Verbände, Peter Beddies. Das Faltblatt ist in den Geschäftsstellen der Ersatzkassen sowie in Arztpraxen, die überwiegend mit Schmerzpatienten zu tun haben, erhältlich.

Quelle: Von ddp-Korrespondent Werner Behrens

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