ID: REF394T
Vitos Herborn bildet gemeinsam mit
Vitos Weil-Lahn einen
Regionalverbund unter dem Dach des
Vitos Konzerns. Unsere Kernaufgabe
ist die Behandlung von Erwachsenen,
Kindern und Jugendlichen in
psychiatrischen, psychosomatischen
und somatischen Fachkliniken.
Unsere begleitenden psychiatrischen
Dienste betreuen Menschen mit
chronischen psychischen
Erkrankungen.
Wir bieten in unserer Klinik für
Psychiatrie und Psychotherapie am
Standort Wetzlar mit Vitos
Behandlung Zuhause eine stati...
Vitos Herborn bildet gemeinsam mit
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Bei der Physiotherapie (oder anderen medizinischen Berufen) ist das natürlich ähnlich wie in unseren Texten: Leidende suchen nach menschlicher Interaktion und finden diese in Therapiepraxen. Schon das Ritual der Begrüßung, der Anmeldung, der Anamnese – all das ist Therapie. Ohne ritualisierten Placebo-Effekt geht ein Teil der Behandlung verloren, der vom Schamanen über den Medicus bis hin zum heutigen Physiotherapeuten einen wesentlichen Teil des Therapie-Erlebens ausmacht. Andererseits steht die westliche Welt (und vorneweg das vergreiste Deutschland) vor einem Versorgungsnotstand. Ohne künstliche Intelligenz wird das System wahrscheinlich kollabieren. Wo wird KI jetzt schon eingesetzt, wo wird sie perspektivisch eine Rolle spielen, und wo ist sie nutzlos?
Wie man einen Physiotherapeuten ersetzt
Schon 2022 veröffentlichten Rowe, Nicholls und Shaw einen Artikel mit einer provokanten Überschrift: „How to replace a Physiotherapist?“, in dem sie darüber sinnierten, in welchen Sektoren KI die Physiotherapie verändern wird. Ein Teil dieser Visionen ist heute immer noch Zukunftsmusik, andere Bereiche werden jetzt schon auf Fachmessen präsentiert. So werden die Zeiten irgendwann vorbei sein, in denen PhysiotherapeutInnen aufwändige Ganganalysen durchführen. Kamera-Systeme können das jetzt schon gut und könnten in Zukunft mit den richtigen Daten lernen, Stürze vorherzusagen oder das optimale Trainingsprogramm für Betroffene zusammenzustellen – vielleicht auch über das eigene Smartphone. Die Forscher erwarten zudem einen Sprung in der Robotik durch die Verknüpfung mit künstlicher Intelligenz, was mittlerweile keine Science-Fiction mehr ist: Seit der Veröffentlichung des Artikels wurden erste Systeme präsentiert. Dazu zählen etwa
Alles hat (noch?) Grenzen• ein Roboter für die Gangschule, der notfalls einen stürzenden Patienten auffängt.
• ein Roboter für passive und assistive Mobilisation von Beinen und Armen
• und natürlich Exoskelette für die Therapie neurologisch betroffener PatientInnen.
Prof. Dr. Susanne Saal von der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena fasste kürzlich in der Fachzeitschrift physioscience die aktuelle Datenlage zum Thema KI in der Physiotherapie zusammen. Derzeit scheint die Technik noch nicht reif genug für die praktische Anwendung zu sein. Large Language Models (LLMs), wie zum Beispiel ChatGPT, schlugen in mehreren Studien nicht-leitlinienkonforme Vorgehensweisen vor. Vor allem ältere Versionen wie ChatGPT 3.5 und 4o wiesen in Studien nur eine 30- bis 80-prozentige Übereinstimmung mit den Leitlinien auf. Vorgeschlagene Übungsprogramme waren zumindest als risikofrei zu bewerten – auch wenn bei den KI-generierten Programmen spezifische Angaben zur Trainingsintensität und Frequenz fehlten. Bei der Behandlung chronischer Schmerzsyndrome scheiterten KI-Anwendungen bislang.
Ein weiterer (sicherlich sinnvoller) Ansatz ist der KI-Einsatz in der Physiotherapie-Ausbildung. Die Implementierung von LLMs in der Schulung von Fähigkeiten im Clinical Reasoning wird bereits erforscht und zeigt erste Erfolge (oder zumindest Ebenbürtigkeit) gegenüber traditionellen Lernverfahren.
Die größte Entlastung verschaffen in Zukunft vermutlich Dokumentationsassistenten, die in Echtzeit Therapieverlauf und Ergebnisse festhalten. Schon jetzt sind derlei Anwendungen datenschutzkonform erhältlich, allerdings fehlen häufig noch Schnittstellen zu den gängigen Praxisanwendungen.
Eine neue Epoche hat begonnen
Neue Techniken und Entwicklungen verursachen unweigerlich Reaktanz. Argumente gegen KI in der Physiotherapie sind schnell gefunden, und das ist auch gut so. Bevor unreflektiert die neue Technik in die Praxis überführt wird, sollten neben Machbarkeitsstudien auch ethische Abwägungen in die Implementierung mit einfließen. Wer kann von KI-Einsatz profitieren – und wer nicht? Werden bestimmte Bevölkerungsgruppen ausgeschlossen? Wer haftet eigentlich, wenn eine KI Fehlinformationen liefert?
Künstliche Intelligenz ist ein Werkzeug, das Arbeit um ein Vielfaches effizienter macht. Egal ob bei der Schreibtischarbeit, der Produktion von Gütern, in der Physiotherapie, und (wie es leider momentan im Iran zu sehen ist) sogar auf dem Schlachtfeld. Für komplexe, langwierige Diagnostik ist keine Zeit mehr, also gibt es dafür bald KI. Für banale Tätigkeiten (die gut ausgebildete TherapeutInnen mit angemessenen Honorarvorstellungen unterfordern) fehlen finanzielle Mittel, also nutzen wir für Gangschule und Gelenkmobilisation in Zukunft KI. Das trifft das Therapeutenherz, aber was ist die Alternative?
Die Welt ist im Wandel und das bekommt auch irgendwann die Physiotherapie zu spüren. Wer im durchdigitalisierten Turbokapitalismus bestehen will, muss lernen, die Technik als Werkzeug zu nutzen, um schneller, effizienter und produktiver zu arbeiten. Dass die Datenlage noch nicht gut genug ist, darf bei der rasanten Entwicklung kein Grund sein, sich auszuruhen, denn bereits jetzt sind neue Modelle wie ChatGPT 5.4 erheblich stärker als die in den Studien verwendeten Versionen. In unserem Selbstversuch erstellt diese neue Version einen exzellenten Therapieplan (entsprechend der aktuellen Leitlinien) für unspezifischen Rückenschmerz und die Rehabilitation nach einer Meniskusteilresektion (ebenfalls entsprechend verfügbarer Leitlinien, inklusive Wundheilungsphasen und Empfehlungen zu Belastungssteuerung).
Was bleibt, ist in Zukunft also nur (?) noch der menschliche und nahbare Kontakt als Argument für „echte“ Therapie. So ist es dann wie bei diesem Text, den eine KI sicherlich schneller geschrieben hätte, den Sie (werte Leserinnen und Leser) aber lesen, weil er aus echten Autorenhänden kommt.
Oder etwa nicht?
Daniel Bombien / physio.de
DigitalisierungGanganalyseSturzprophylaxeExoskelettInnovationClinical Reasoning
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Hands22 schrieb:
Hat noch nicht funktioniert, wird garantiert verbessert angeboten.
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Tyna Hoone schrieb:
Ich nehme an, den Klient*innen war es zu dröge. Echte Animation ist doch was anderes. Dennoch trainieren mittlerweile Millionen Menschen mit Apps. Vermutlich war das Angebot zu früh.
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Unsichtbar schrieb:
Hat mein Fitnessstudio schon probiert. Spinning mit Bildschirmtrainer. Alles wieder abgebaut. Hat nicht funktioniert.
Eine andere Sache möchte ich aber noch zu bedenken geben: durch die Technologie besteht auf jeden Fall die reale Gefahr wieder in biomechanische/biomedizinische Paradigmen abzurutschen. Getreu dem Motto: nur was durch Sensoren gemessen werden kann ist echt.
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Fertigmensch schrieb:
Wir werden uns in Zukunft hoffentlich in vielen Bereichen von KI unterstützen lassen können. Diese sollte dann allerdings aus der Profession kommen und für die Profession sein. Nicht einfach eine Raubkopie "unserer" Arbeit, wie es aktuell z. B. bei ChatGPT der Fall ist.
Eine andere Sache möchte ich aber noch zu bedenken geben: durch die Technologie besteht auf jeden Fall die reale Gefahr wieder in biomechanische/biomedizinische Paradigmen abzurutschen. Getreu dem Motto: nur was durch Sensoren gemessen werden kann ist echt.
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helmingas schrieb:
Ersetzt nicht.,aber verändert. Oder der Kodak-Effekt greift. Oder bist nur ein bauchpinselnder Osteopath. Oder Oder Oder....
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Inche schrieb:
Ersetzen aber in Doko,Übungsplänen,Präsentationen zb für Kurse,Fragebögen auswerten,Rezeptprüfung.Automatsierte Warteliste mit Nachrücke funktion.Wenn ich zb die online Rezeption einrichte mit meinen Vorgaben.Terminerinerungen.Da spart man auf dauer Rezeptions Stunden.
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Horatio72 schrieb:
Ich fürchte eher das die Kassen die KI als Absetzungsinstrument nehmen. Dazu darf die 40 Euro Pauschale nie fallen. Sonst müssen wir jede 2 Unterbrechung extra begründen.
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Inche schrieb:
@Horatio72 oder auch das mal an die wirklichkeit anpassen zb größer 4 Wochen oder dann abrechnen u neu
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Stefan Arnold schrieb:
Ein Großteil der Therapie ist doch der Kontakt von Mensch zu Mensch, und der fehlt immer mehr Leuten, deshalb sehe ich da keine Gefahr ersetzt zu werden.
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Thomas Michel schrieb:
Tatsächlich nutze ich bereits KI in der Physiotherapie. Ich habe erlebt, wie man in der Ausbildung viele Ströme in der Elektrotherapie mit ihren Einstellungsmöglichkeiten erlernt, im Berufsleben zwei oder drei Lieblingsströme hat und den Rest vergisst. Wenn die dann nicht mehr funktionieren hat man das Problem. Ich habe einen KI-Code gebastelt, sodass ich der KI Diagnose, aktu oder chronisch und Kontrtaindikationen nenne und sie empfiehlt mir einen Strom, welche Einstellungen in vornehmen muss speziell an meinem Gerät und wo ich Anode und Kathode hinlege.
Ansonsten gilt der Satz des CEO von NVIDIA, dass alles, was sich bewegt, früher oder später durch KI ersetzt werden kann.
Und wenn wir ehrlich sind, brauchen wir eigentlich nicht mal das, sondern ein analoges Pappschild, auf dem "FDH und beweg´ Deinen Arsch" steht.
Schon das würde 50% unserer Therapien überflüssig machen.
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Horatio72 schrieb:
Ja , und wenn alle keinen Müll mehr machen brauchen wir keinen Müllabfuhr mehr und Piloten fallen sowieso weg wegen CO2 Abdruck. Gesetze werden eingehalten und wir streichen die Polizei.. usw.. Warum gehen wir nicht einfach wieder ins Mittelalter und bewegen uns den ganzen Tag und sterben mit 30 durch Pocken oder Masern?
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Schippi schrieb:
Deswegen kommt bei mir keine KI ins Haus!Ich(!!!) denke mir behandlungspläne aus,schreibe Rechnungen ,mache Termine und bleibe Mensch/therapeut,der auch ansprechbar bleibt!Ich habe keine 7.5min verwaltungszeit pro Behandlung!
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Jens Uhlhorn schrieb:
Bei konsentierten 7,5 min Verwaltungszeit je Behandlungseinheit liegt der Hebel ohnehin zunächst in der Verwaltung mit entsprechenden Automatisierungsprozessen.
Ansonsten gilt der Satz des CEO von NVIDIA, dass alles, was sich bewegt, früher oder später durch KI ersetzt werden kann.
Und wenn wir ehrlich sind, brauchen wir eigentlich nicht mal das, sondern ein analoges Pappschild, auf dem "FDH und beweg´ Deinen Arsch" steht.
Schon das würde 50% unserer Therapien überflüssig machen.
Bezüglich KI im Verwaltungsbereich äußerten Wissenschaftler, dass vermutlich zu einem weiteren Anstieg des Verwaltungsmonster führen wird, weil Dinge auftauchen werden die der Mensch bisher nicht im Blick hatte. Vergleich: Erfindung Waschmaschine hat nicht zur zeitlichen Entlastung sondern zu mehr Wäsche geführt.
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Geert Jeuring schrieb:
"Erfindung Waschmaschine hat nicht zur zeitlichen Entlastung sondern zu mehr Wäsche geführt." Das hätte ich gerne mal mit Literatur belegt gesehen. Sicher wird mehr gewaschen, aber meine Oma mit 15 Kinder hätte sich wahnsinnig über ein Waschmaschine und einen Trockner gefreut.
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Gelabinchen schrieb:
Beim Einsatz von KI und Robotertechnik ist es erschreckend wie wenig Hilfsmittel in der Therapie zum Einsatz kommen, weil Erstattungen für diese teils sehr teuren Geräte fehlen.
Bezüglich KI im Verwaltungsbereich äußerten Wissenschaftler, dass vermutlich zu einem weiteren Anstieg des Verwaltungsmonster führen wird, weil Dinge auftauchen werden die der Mensch bisher nicht im Blick hatte. Vergleich: Erfindung Waschmaschine hat nicht zur zeitlichen Entlastung sondern zu mehr Wäsche geführt.
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Tyna Hoone schrieb:
Exoskelette für Neuro-Patienten. Eine tolle Vorstellung, die an der Zahlungskraft bzw. dem Zahlungswillen der KKs scheitern könnte.
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