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Initiative im Bundestag: Verbot von Tabakabgabe unter 16
30.05.2000 • 0 Kommentare

Der Kampf gegen den blauen Dunst erfordert nach Einschätzung der Interfraktionellen Nichtraucherschutzinitiative im Bundestag noch viel Ausdauer. Der Bewusstseinswandel in punkto
Nikotinsucht habe zwar eingesetzt, sagte das CDU-Mitglied in der Gruppe, Werner Lensing, der Nachrichtenagentur ddp in Berlin. Die Gesellschaft sei immer weniger dazu bereit, das Gesundheitsrisiko, dem sich Raucher aussetzten, zu tolerieren, geschweige denn mitzufinanzieren.

So weise etwa die Bundesärztekammer in ihren neuen Richtlinien zur Organtransplantation darauf hin, dass „aus medizinischen Gründen bei bestehendem schweren Nikotin-, Alkohol- oder sonstigen Drogenmissbrauch eine Aufnahme in die Warteliste für Herz-Transplantationen nicht erfolgen kann«, sagte Lensing. Er prognostizierte auch, der Trend, dass Versicherungsunternehmen höhere Prämien bei Risiko-Lebensversicherungen verlangen, werde sich verstärken. In der Nichtraucherschutzinitiative engagiert sich je ein
Mitglied von Union, SPD, FDP und Grünen.

Lensing verwies jedoch darauf, dass trotz aller
Präventionsbemühungen die Zahl der Tabakabhängigen wieder zunehme. Zwei Milliarden Zigaretten mehr als 1998 hätten Deutsche im Jahr 1999 konsumiert. Größte »Problemfälle« seien rauchende Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren. Rund 13 Prozent der 13-Jährigen rauchten regelmäßig, bei den 15-Jährigen seien es bereits mehr als ein Viertel, betonte der CDU-Politiker. Aus diesem Grund
müsse dringend ein Verbot der Abgabe von Tabakwaren an Jugendliche unter 16 Jahren her.

Die Mitglieder der Nichtraucherschutzinitiative plädieren für die Einrichtung eines „Tabakpräventionsfonds». Dieser solle aus
freiwilligen Finanzmitteln der Tabakindustrie und aus einer
Teilzweckbindung der Tabaksteuer finanziert werden, erläutert Lensing. Zusätzlich brauche man bessere Hilfen für entwöhnungswillige Raucher, ein Verbot von Werbung und Sponsoring der Tabakkonzerne sowie wirksamere Aufklärungskampagnen.

Nach Angaben Lensings gibt es in der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen die meisten Raucher. 49 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen dieses Alters hängen am Glimmstengel. Alarmierend sei auch der Trend, dass immer mehr Frauen rauchten und ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs eingingen. Ihrer Sucht ein Ende setzten aber deutlich weniger Frauen als Männer, fügte Lensing hinzu.

Im Argen liege der Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz. Trotz der in der Arbeitsstättenverordnung geforderten „gesundheitlich zuträglichen Luft« könne sich ein Arbeitnehmer gegen Passivrauchen nur sehr schwer wehren. Streitigkeiten müssten bisher durch einzelgerichtliche Verfahren geklärt werden, obwohl bereits am 2. Juli 1998 die „Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe» Passivrauchen in die erste, also bedrohliche Kategorie „Krebserzeugende Arbeitsstoffe" aufgenommen habe, erklärte Lensing.
Gefragt seien Konzepte für innerbetriebliche Nikotinentwöhnung. Dies in den Betrieben zu vermitteln, sei Aufgabe des Bundesgesundheitsministeriums, aber auch der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Quelle: A.Frädrich/ Berlin (ddp).

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